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Grundeinkommen – aus kirchlicher Sicht?

Der Autor lässt sich zu gewagten Behauptungen hinreißen. – Grundeinkommen-Befürworter würden den Sozialetat des Landes verbraten wollen, um ein Grundeinkommen zu finanzieren?

Aus der Traum: Warum das bedingungslose Grundeinkommen ungerecht ist

Herr Schäfers soll doch einmal diejenigen benennen und Textstellen zitieren, wo das propagiert wird. Entweder sind es gar keine Grundeinkommen-Befürworter oder die Behauptung kann nicht nachgewiesen werden?

Auch seine Anmerkungen zum Arbeitsplatzverlust sind wenig hilfreich. – Was bedeutet denn, wenn Arbeit durch Digitalisierung »anders« wird. Sollen LKW-Fahrer, die durch selbstfahrende Autos ersetzt werden umschulen, auf C++ Programmierer?

Wenn andere Kompetenzen von den Menschen verlangt sind, lassen die sich nicht aus dem Boden stampfen.

Das Schreckensszenario, das sich Lars Schäfers ausmalt, wenn ein Grundeinkommen da ist, wirkt zusammengebastelt, gemäß der Fantasie eines BGE-Gegners und hat somit wenig zu tun, mit den tatsächlichen Vorschlägen, die es seriöserweise zum Grundeinkommen gibt.

Warum liest Schäfers nicht die Bücher von Götz Werner und arbeitet sich an dessen Aussagen ab? - Da besteht scheinbar kein Interesse.

Es geht beim Grundeinkommen nicht darum, den Sozialstaat abzuschaffen, dort wo er weiterhin als Ergänzung zum Bedingungslosen Grundeinkommen erhalten bleiben soll, sondern vielmehr soll die Existenzsicherung keine »Sozialleistung« mehr sein, sondern als Teil der Wertschöpfung »an alle verteilt« werden, bedingungslos.

Das ist etwas ganz anderes, als es Schäfers hier diskutiert.

Auch spaltet Schäfers die Gesellschaft mit seinen Aussagen, unnötigerweise. Er spricht von denjenigen, »die weiter erwerbstätig sein wollen« und stellt sie den Grundeinkommen-Beziehern gegenüber, die nur vom BGE leben?

Eine solche Aufteilung hätte nichts mit der Realität zu tun. Eher ist anzunehmen, dass sich Zeiten von Arbeit und Nicht-Arbeit im Laufe eines Menschenlebens gegenseitig aufheben und wir alle mit einem »anderen« Alltag als heute, zufriedener sein werden. – Zum Beispiel weniger arbeiten, statt gar nicht oder zu viel.

Schäfers Aussagen zur »Schwarzarbeit« sind schnell daher erzählt. – Weiß er denn, welches Steuersystem wir bei Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommen haben werden? Schwarzarbeit gibt es nur mit der Einkommenssteuer (EK). An der EK festzuhalten, wäre die absolut schlechteste Lösung, da die EK den Anreiz zur Arbeit zerstört und ausgerechnet das bestraft, was dringend gebraucht wird: die arbeitenden Menschen.

Deshalb ist es sinnvoll, den Konsum zu besteuern. - Ein wichtiger Nebeneffekt dabei wäre, dass für den Klimawandel etwas getan würde, indem der völlig überdrehte Hyperkonsum durch die Steuerschraube abgebremst wird, während durch Geringbesteuerung der existenzsichernden Güter die Menschen mit wenig Geld, von dem starken Steuerzugriff verschont blieben.

So erscheint des Autors Schwarzmalerei zum BGE eher einem Wunschdenken zu entspringen.

Die Steuer- und Abgabenbelastung ist heute in etwa 50%. – Wichtig ist da der Hinweis, dass mit einem BGE sich diesbezüglich nichts ändern würde. Das heißt, die Steuer– und Abgabenlast bliebe stabil.

Wie kommt Schäfers auf die Idee, eine Mehrheit würde nichts mehr arbeiten und nur das Bedingungslose Grundeinkommen wollen? - Diese Vorstellung ist unrealistisch. Das Grundeinkommen soll ein »bescheidenes, aber menschenwürdiges« Leben ermöglichen. Und jeder verdiente Euro käme direkt oben drauf auf das BGE.

Mit ein bisschen Fantasie müsste eigentlich jeder erkennen, dass es sich lohnt dann zu arbeiten und noch hinzuzuverdienen. – Da es in der Grundeinkommensgesellschaft keinen Arbeitszwang mehr gibt, sind Arbeitgeber in einer schlechteren Position als heute. Heute können sie gegenüber Angestellten und Mitarbeitern Macht ausüben, weil die Betroffenen existenziell von ihren Chefs abhängig sind. – Diese Abhängigkeit würde wegfallen und eine enorme Befreiung darstellen und endlich dazu führen, dass in Deutschland wieder die Menschenrechte und Grundrechte geachtet werden.

Die »moralische Pflicht« zur Arbeit ist eine fixe Idee von Hartz4-Befürwortern? So scheint es. – Die heutige Arbeitsgesellschaft könnte genauso gut aus jenem Denken entsprungen sein, das wir meinen, die letzten Jahrzehnte überwunden zu haben.

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